Marina Szudra

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Seit März 2020 lebst Du mit der Pandemie – wie hat sich Deine Arbeit verändert und was empfindest Du im Rückblick?

Die Pandemie hat für mich 2 Seiten:
Mir fehlen meine Konzerte enorm. Ich singe – Gott sei Dank – regelmäßig Gottesdienste, aber die Konzerte mit Chor und Orchester ersetzen sie nicht. Auch erlebe ich, wie es immer wieder schwierig ist, sich ohne Perspektive zum Üben zu motivieren. Es gäbe so viel zu entdecken…
Aber manchmal fehlt es ein wenig an Energie. Dann, aber wieder merke ich, wie mir die freie Zeit geholfen hat, mich nochmal neu zu denken, Dinge zu hinterfragen und auch manches anders anzugehen – beruflich wie privat! Es ist auch eine Zeit großer persönlicher Entwicklung! Ich werde eine andere Sängerin sein, wenn es wieder losgeht!

Was hat Dir in dieser schweren Zeit geholfen, Dich selbst zu motivieren, durchzuhalten und weiterzumachen ?

Es gab immer wieder schöne Kontakte, neue Kontakte, die mir gezeigt haben, dass ich nicht allein bin in der Situation. Wir Künstler sitzen in einem Boot und das müssen wir uns vor Augen führen. Wir haben ein großes Potenzial, wenn wir das, was ohnehin unseren Beruf ausmacht, in die Waagschale werfen. Wir sind Kommunikations- und Improvisationstalente und das hilft auch in diesen Tagen sehr! Sich schnell an neue Gegebenheiten anpassen, diszipliniert sein und wissen, dass es nun erst recht keinen anderen Weg für mich gibt, hat mich gestärkt. Denn wenn ich all das immer noch will, obwohl es vermeintlich schwierig geworden ist, dann gibt es keine Alternative, als ins Handeln zu kommen!

Ab November 2020 gab es weitere komplette Einschränkungen für die Kulturbranche. Wir hat Dich das belastet, gerade in der Weihnachtszeit und Anfang 2021?

Die Zeit vom Herbst bis in den März hinein war ewig… Es war dunkel, es war kalt und niemand wusste so recht, ob und wie es weitergeht. Nun wird das Wetter besser, ich habe eine erste Impfung erhalten und ich traue mich auch wieder mehr raus! Das tut gut!

Weitere Maßnahmen sind bis in den Sommer 2020 geplant, welche Folgen haben diese für Dich ?

Ich werde weiter meine Dinge tun und mich über Wasser halten. Ich bin sicher, dass mir das gelingt, es ist mir bisher auch gelungen. Die übrige Zeit nutze ich, um ein besserer Mensch und Künstler zu werden! Und Gott sei Dank habe ich einen Mann mit fester Stelle als Kirchenmusiker… Das ist mein großes Glück!

Seit fast 14 Monaten liegt die Kulturbranche brach, keine Konzerte, oder Veranstaltungen, somit keine Einnahmen. Wo siehst Du für Dich Licht am Ende des Tunnels? Wie lange kannst Du weiter durchhalten? Was sind Deine Planungen?

Da ich auch privat und an der Universität einiges unterrichte und immer wieder Gottesdienste zu singen sind, werde ich durchkommen. Auch habe ich mir schon vor Corona ein Polster angelegt, auf dass ich immer mal zurückgreifen kann. Es funktioniert erstaunlich gut! Und da man ja eh nirgends hinkann, gibt man auch kein Geld aus. Ich möchte weiter netzwerken, meine Kontakte pflegen, üben, mich um mich kümmern. Das gelingt im Augenblick ganz gut!

Was erwartest Du für Dich in der Kulturbranche bis Ende 2021 und insbesondere für 2022?

Ich hoffe, dass zumindest in den nächsten Monaten die ein oder anderen Auftritte wieder möglich sein werden. Ich habe eine Konzertanfrage für Dezember bekommen, ich denke und gehe davon aus, dass sich das realisieren lässt. Die Leute werden immer mehr geimpft und immer mehr Projekte werden auch in die Tat umgesetzt. Sicherlich bin ich aber auch nicht blind:
Ich habe schon auch Angst, dass einiges an Strukturen weggebrochen sein könnte und dass es lange dauern wird, bis sich diese Strukturen erholen. Was für mich aber noch wichtiger ist:
Wie bekommen wir die Kultur wieder in die Herzen der Menschen?
Wie machen wir zum Beispiel singen wieder zu einem Kulturgut, jetzt wo alle glauben, dass Singen und Musizieren entweder gefährlich oder gleich ganz verzichtbar geworden ist?

Welches Projekt-/e kannst Du im Rückblick seit März 2020 für Dich selber als wichtig erachten ?

Ich würde es nicht Projekt nennen. Sondern Entwicklung. Und da meine ich meine ganz persönliche Entwicklung. Selbstbewusstsein, eigene Stärken, Körperbewusstsein, wichtiges von Unwichtigem trennen.. Herausfinden, wer wirklich an meiner Seite steht, auch in Krisenzeiten…

Gibt es etwas Besonderes, worauf Du dich persönlich besonders nach Corona freust ?

JA! Theater, Kino, Essen gehen, Kultur erleben, Kontakte pflegen!

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