Marcus Meyer

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Seit März 2020 lebst Du mit der Pandemie – wie hat sich Deine Arbeit verändert und was empfindest Du im Rückblick?

Der Probenbetrieb beim Musikverein ist seit gut einem Jahr komplett eingestellt, man verliert den Bezug zu den Musikern. Um das Niveau vor der Pandemie wieder zu erreichen (Auftritte über mehrere Stunden mit Laienmusiker*innen) wird ebenfalls mind. ein weiteres Jahr dauern und erfordert intensive Probenarbeit. Dadurch habe ich auch das Musizieren für mich nahezu auf null gefahren.
Als Intendant eines Kammermusikfestivals war man mit Terminverschiebungen, Rückabwicklungen und dem Durchspielen finanzieller Szenarien beschäftigt. Jedoch boten die Rahmenbedingungen im August/September 2020 die Chance, kreative und neue Formate zu entwickeln oder auszuprobieren.

Was hat Dir in dieser schweren Zeit geholfen, Dich selbst zu motivieren, durchzuhalten und weiter zu machen?

Als Angestellter im öffentlichen Dienst war ich sogar Teil des Corona-Teams im Gesundheitsamt, was mir neue Erfahrungen eingebracht hat und ich habe neue Kollegen und Kolleginnen kennengelernt.
Motiviation war auch die Flexibilität der verpflichteten Künstler*innen, Orchester und Ensembles, die alle angestrebten Lösungen wie Terminverschiebungen, teilweise um ein Jahr, teilweise zwei Verlegungen, komplett mitgetragen haben und auf Ausfallhonorare verzichtet haben.
Die Hoffnung, dass ein Regelbetrieb – wenn auch unter Corona-Einschränkungen – absehbar ist, treibt mich ebenfalls an.

Seit November gibt es – wie schon ab März 2020, wieder komplette Einschränkungen für die Kulturbranche – Wie wirst Du mit den weiteren Maßnahmen, die es seit Anfang des Jahres gibt und die jetzt weiter verlängert wurden umgehen und welche Folgen haben diese für Dich?

Es lässt sich weiterhin schlecht planen und es werden weitere Konzerte ausfallen oder müssen erneut verschoben werden. Es drohen nun finanzielle Schäden, da Pandemie noch nicht überwunden ist.
Für den Musikverein bedeutet dies weitere Stille. Ob alle Hobbymusiker die Energie aufbringen werden, wieder zu starten, scheint mir zweifelhaft. Somit kann ein Verein, der seit 45 Jahren exisitiert ggf. nicht weiterbestehen.

Welche Folgen hätte es für die Kulturbranche und für Dich persönlich, wenn es weitere Verlängerungen bis in den März oder sogar Ostern geben würde?

Damit rückt ein Regelbetrieb im Sommer weiter in die Ferne. Denn bei einer Öffnung werden weiterhin Einschränkungen aufgrund eines Hygienekonzpets gelten. Das führt letzendlich zu finanziellen Verlusten, aufgrund geringerer Auslastungen.

Welches Projekt kannst Du im Rückblick seit März 2020 für Dich selber als wichtig erachten?

Wir haben beim Festival ein Klappstuhlkonzert durchgeführt, das wurde vom Publikum sehr gut aufgenommen. Drei Kammermusikensembles haben an drei unterschiedlichen Plätzen in einem Schlosspark musiziert und das Publikum ist mit einem Klappstuhl ausgestattet flaniert. Hier hat sich gezeigt, dass die Musik im Vordergrund steht – es braucht keine großen Bühnen, kein Catreing, keine Garederobe etc. Das war für mich ein “back to the roots”- Moment. Auch dass dadurch Künstler und Publikum sehr nah in Kontakt waren, war ein besonderes Momentum.

Gibt es etwas Besonderes, worauf Du Dich persönlich besonders nach Corona freust?

Auf gut besuchte Konzerte, auf den persönlichen Kontakt mit Menschen ohne zögerliche Gesten, auf Restaurants, auf den Probenbetrieb mit dem Musikverein, auf den Besuch von Freizeiteinrictungen mit meinem Kindern.

Was erwartest Du für Dich in 2022?

Ein Leben annähernd wir vor März 2020. Ein überdurchschnittlich ausgelastetes Festival und Gesundheit für Familie, Kollegen und Künstler.

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